Über Maß, Verantwortung und die Grenzen des Machbaren

Wenn Kirchen mit begrenzten Mitteln haushalten und zugleich politische Fragen zur Verwendung öffentlicher Gelder kommentieren, entsteht ein Spannungsfeld, über das sich nachzudenken lohnt. Auch wer sich für Mitmenschlichkeit und Unterstützung einsetzt, muss anerkennen: Die Mittel, die einer Gesellschaft zur Verfügung stehen, sind nicht unbegrenzt.

Wer erlebt, dass ein Pastor mehrere Gemeinden und zahlreiche Gotteshäuser betreuen muss, kann sich vorstellen, was begrenzte Mittel im Alltag bedeuten: Es braucht Prioritäten, und nicht alles lässt sich zugleich leisten. Ähnlich ist es im öffentlichen Haushalt. Auch dort können gute Absichten allein die Rechnung nicht begleichen. Wenn dauerhaft mehr versprochen und ausgegeben wird, als die wirtschaftliche Grundlage trägt, gerät das Gleichgewicht aus dem Lot.

Das kennen viele Menschen aus ihrem eigenen Alltag: Reicht das Einkommen nicht für alle Wünsche, muss eine Familie abwägen, was jetzt wichtig ist und was warten muss. Diese Sorgfalt ist kein Mangel an Mitgefühl. Sie ist eine Voraussetzung dafür, auch morgen noch verlässlich helfen zu können.

Kirchen aller Glaubensrichtungen leisten einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben. Ihre zentrale Aufgabe sehen wir jedoch in Seelsorge, Glaubensvermittlung und ethischer Orientierung – etwa in der Auseinandersetzung mit den Zehn Geboten. Nicht darin, politische Entscheidungen zu lenken oder politischen Druck auszuüben. In einer Demokratie müssen politische Fragen von den gewählten Vertretungen und den Bürgerinnen und Bürgern öffentlich beraten und verantwortet werden.

 

Kirchen dürfen sich äußern; sie sollten dabei aber die Grenze zwischen geistlicher Orientierung und politischer Einflussnahme achten.

Hilfe ist ein wichtiger Ausdruck von Verantwortung. Doch Verantwortung bedeutet auch, sorgfältig abzuwägen, welche Aufgaben Vorrang haben und wie sie dauerhaft finanziert werden können. Jeder Haushalt muss Prioritäten setzen – der kirchliche ebenso wie der öffentliche. Ausgaben lassen sich nicht allein mit guten Absichten begründen; sie brauchen eine tragfähige Grundlage.

Die AfD-Kreistagsfraktion möchte deshalb zu einer sachlichen Frage einladen: Wie gelingt es, Hilfsbereitschaft mit wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Gerechtigkeit zu verbinden? Wer zusätzliche Leistungen fordert, sollte auch bedenken, wer sie finanziert und wie die Belastung für Beitrags- und Steuerzahler langfristig tragbar bleibt.

Die wirtschaftliche Grundlage des Gemeinwesens entsteht durch die Arbeit vieler Menschen – darunter Beschäftigte, Selbstständige und Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen. Ein leistungsfähiger Sozialstaat ist auf diese Grundlage angewiesen. Sie zu bewahren gehört ebenso zur Verantwortung wie Menschen in schwierigen Situationen zu unterstützen.

„Solidarität zeigt sich nicht nur darin, Hilfe zu versprechen. Sie zeigt sich auch darin, mit den verfügbaren Mitteln so umzugehen, dass Hilfe dauerhaft möglich bleibt. Und sie verlangt Respekt vor den unterschiedlichen Aufgaben von Kirche und Politik“.

Karlo Schmettau

Fraktionsgeschäftsführer der AfD-Kreistagsfraktion

[Neubrandenburg 01.10.2026]